Willkommen beim PRiVENT Podcast, dem Projekt, das Menschen dabei helfen möchte, wieder selbstständig zu atmen. In dieser Folge widmen wir uns einem lange übersehenen, aber immens wichtigen Thema in der Beatmungsmedizin:
Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Weaning.
Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur in Hormonen und Körperbau, sondern auch in der Ausprägung von Symptomen, dem Krankheitsverlauf, dem Ansprechen auf Therapien und sogar bei Nebenwirkungen – ein bekanntes Beispiel ist der Herzinfarkt. Doch auch in der Beatmungsmedizin, insbesondere beim prolongierten Weaning (Entwöhnung von der Beatmung), zeigen sich solche Unterschiede.
Wir sprechen mit Frau Professor Dr. Franziska Trudzinski, Fachärztin für Pneumologie und Oberärztin an der Thoraxklinik in Heidelberg sowie Projektleiterin für PRiVENT. Sie war bereits in früheren Staffeln unser Gast und teilt heute exklusive Einblicke in eine aktuelle Studie der Thoraxklinik. Diese Studie ist die erste, die spezifische Risikofaktoren für Frauen beim prolongierten Weaning untersucht und somit eine Lücke in unserem Wissen schließt.
Was wurde in dieser Studie herausgefunden?
Mit fast 800 Patientinnen und Patienten (davon 40% Frauen) zeigte sich, dass das Geschlecht allein kein Risikofaktor für Weaning-Versagen ist. Interessanterweise waren Frauen, die erfolgreich entwöhnt wurden, häufiger diejenigen, die mit nicht-invasiver Beatmung nach Hause entlassen wurden, was auf eine ausgeprägtere Schwäche der Atempumpe hindeuten könnte. Frauen hatten zudem einen höheren BMI, was möglicherweise mit Obesitas-assoziierter Hypoventilation (starkes Übergewicht (Fettleibigkeit), das zu einer Belastung des Atmungssystems führt) in Verbindung steht.
Besonders spannend sind die Ergebnisse in Bezug auf das Delir: Bei Männern war die Diagnose eines Delirs im Weaning-Prozess sogar mit einem Weaning-Erfolg verbunden, während es bei Frauen einen ungünstigen Weaning-Erfolg zur Folge hatte. Prof. Dr. Trudzinski erläutert mögliche qualitative Unterschiede des Delirs zwischen den Geschlechtern und deren Bedeutung.
Wir diskutieren, wie diese Erkenntnisse in den klinischen Alltag überführt werden können, betonen die Notwendigkeit eines individuelleren Ansatzes ("Treatable Traits") und blicken in die Zukunft der geschlechtsspezifischen Versorgung beim Weaning. Erfahren Sie, warum es wichtig ist, individuelle Bedürfnisse besser zu verstehen und wie sowohl Männer als auch Frauen von einer sensibleren Herangehensweise profitieren können.
Schalten Sie ein und lassen Sie sich von Prof. Dr. Trudzinski in die Welt der geschlechtsspezifischen Beatmungsmedizin entführen.
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